Re: Aufbruchsstimmung
von Mana » Freitag 29. September 2006, 14:44
Mana: "Good morning ladies and gentlemen"
Kenyian pupils: "Good morning Mr. Manuel and welcome"
- So fanegt jeder Schultag fuer mich an. Aber aufgestanden wird schon frueher und zwar immer zwischen 5 und 6 Uhr, weil ich aus einem mir verborgenen Grund um dieser Zeit, wo die Kraehne gerade anfangen zu kraehen, immer aufs Plumsklo muss. Mit der Taschenlampe im Morgengrauen ist die Sache schon ein wenig schwierig, doch mittlerweile habe ich schon 90 % Trefferquote.
Um 7 Uhr werde ich von meiner Gastmutter geweckt. Sie stellt einen Kanister mit warmem Wasser vor meine Tuere, den sie zuvor am Lagerfeuer aufgewaermt hat. Das Wasser hat zwar keinen osterreichischen Standard, es befinden sich noch ein paar Ungeziefer und Dreck darin, aber es ist normalerweise angenehm warm und das einzige Wasser am Tag, mit dem ich mich waschen kann. Es ist nicht immer die hygienischste Situation, wenn eine Person gerade aus dem Plumsklo kommt und einen "Mzungu" (weissen Mann) erblickt, dem er naturlich sofort die Hand schuetteln will.
Nachdem ich "gereinigt" bin, geht es zum Fruhstuck. Fuenf Scheiben Weissbrot, eine sogar mit Butter muessen reichen. Und wenn die Henne gut aufgelegt ist, gibt es hier und da auch ein Spiegelei. Ich liebe es! Getrunken wird generell nur Tee mit Milch - meist verzuckert, denn blosses, warmes Wasser mit "Flinseln" schmeckt trotz der Haerte die ich habe, nicht immer einladend.
Es folgt ein 15 Minuten Marsch durch das zentrale kenyianische Hochland zur Schule. Um 8.20 Uhr beginnen die Unterrichtseinheiten, die bis 15.10 Uhr andauern. Je nach Tag muessen mich die Kinder zwischen 3 und 6 Stunden ertragen. Das Schulgelaende ist genauso wie man es sich vorstellt. Huehner, Hunde, Katzen, jede Menge Staub und Kuechenschaben. Im "Lehrerzimmer" gibt es sogar einen Stuhl der nicht wackelt, doch zuvor muss man meist die Huehner die darauf sitzen vertreiben. Zu Essen gibt es hier entweder Ugali (Sterz), Reis oder Chapatti - ungewuerzt versteht sich.
Nach dem Abpfiff in der Schule variieren die Tage:
Montags und donnerstags gehe ich mit Bas aus Holland joggen. Wir machen das Hochland (1800+ Hoehenmeter) unsicher und werden von grob 12123123 Augen angestarrt und verfolgt. Danach erfolgt noch ein Work-Out vor meiner Scheune, ehe ich im nahen Fluss baden gehen und mir dort ein paar Parasiten hole. Keine Ahnung was in dem Wasser alles zu finden ist, es sieht zwar nicht recht einladend aus, aber die Einheimischen trinken es einfach.
Dienstags bin ich nach Chuka (Anreisedauer je nach Matatu-Glueck 1-2 Stunden) unterwegs und erhalte 1x in der Woche News aus dem Internet, auch wenn die Verbindung alles andere als schnell ist. 3 Mails zu checken dauert grob 25 Minuten, aber das ist es wert!
Mittwochs machen wir Volunteer-Abend. Die 6 Freiwilligen spielen Poker, Gitarre und kochen gemeinsam am Feuer. Wenigstens einmal in der Woche Pasta!!!
Freitags machen wir das naechst gelegene Dorf "Kathanjuri" unsicher und trinken ein bisschen (viel). Auch wenn es heisst, wir sollen bis es dunkel ist wieder zuhause sein, denn "Bad things happen in the dark!"
Am Wochenende ist Ausflugszeit: Am letzten Wochenende war ich als 1. Mzungu in einem wirklich grausigen Wasserfall baden.
Ansonsten muss natuerlich auch die Waesche im Fluss gewaschen werden. Meine Kleidung hat sich hier auf wundersame Weise vergroessert und meine Finger sind voller Blasen vom Reiben.
Abendunterhaltung: Hier ist Kreativitaet gefragt. Bis 19 Uhr ist es hell, dann wird es schlagartig stockdunkel. Bis dahin versuche ich zu lesen und viel schreiben unter den staunenden Augen von 3 - 6 Kindern, die einfach nicht aus meiner Scheune raus finden und den neuen Kugelschreiber den ich mir besorgt habe, naturlich sofort anfassen wollen.
Es ist dunkel und ich lausche bis es "Supper" (Ugali, Reis oder Chapatti) gibt die BBC World News auf der Kurzwelle. Supper naturlich mit Tee und Milch. Anschliessend, gegen 21 Uhr steige ich, vom Tag verstaubt und verdreckt, wieder unter das Moskitonetz und entschwinde dieser Welt fuer ein paar Augenblicke mit Hilfe meines mp3-Players. Die alte Flohdecke waermt mich.
tja, so sieht mein Leben hier aus. Ob ich mich veraendert habe? Man muss sich hier veraendern, sonst geht es nicht. Religion ist wieder wichtiger und man hat mehr Zeit um sich gedanklich mit dem Leben zu beschaeftigen.
zum Gruss
Manuel
P.S.: Jetzt habe ich Rasta-Zoepfe! Meine Gastmutter hat mir welche gemacht!